Generative KI in Lightroom: was wirklich kennzeichnungspflichtig ist
Lightroom und Camera Raw setzen generative KI an deutlich weniger Stellen ein als Photoshop – aber es sind genau die Stellen, an denen du hinschauen solltest. Hier steht, welche Funktionen unter Artikel 50 des EU AI Act fallen können, welche Adobe derzeit nicht dazu zählt, und warum diese Einordnung morgen schon anders aussehen kann.

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Vorweg: Ich bin kein Jurist, und dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Er zeigt dir, an welchen Stellen in Lightroom generative KI im Spiel ist. Die Entscheidung, ob dein Bild gekennzeichnet werden muss, triffst du selbst – im Zweifel mit anwaltlicher Hilfe.
Die kurze Antwort
Drei Bereiche in Lightroom laufen aktuell unter generativer KI: die Firefly-Anbindung, das Entfernen-Werkzeug mit gesetzter Checkbox und das Erweitern des Bildes beim Zuschneiden. Dazu kommen Plugins von Drittanbietern, die du selbst prüfen musst.
Alles andere – KI-Entrauschen, Superauflösung, KI-Maskierung, adaptive Presets – führt Adobe derzeit nicht als generative KI. Das Wort derzeit ist dabei wichtiger als der Rest des Satzes.
In Lightroom passiert an dieser Front deutlich weniger als in Photoshop. Aber die wenigen Stellen solltest du kennen.
Firefly: der eindeutige Fall
Ein Rechtsklick auf ein Bild, und im Kontextmenü steht der Eintrag zum Generieren mit Firefly. Darunter finden sich Punkte wie Foto bearbeiten oder Video aus einem Foto generieren.
Was dort passiert, verlässt Lightroom: Adobe öffnet die Firefly-Seite, und dort wird mit generativer KI gearbeitet. Das ist der klarste Fall im ganzen Programm.
Wenn du diesen Weg gehst, musst du für dein Bild prüfen, ob du unter die Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 fällst.
Das Entfernen-Werkzeug: alles hängt an einer Checkbox
Im Entwickeln-Modul findest du beim Entfernen-Werkzeug eine Checkbox mit der Beschriftung Generative KI. Ist sie gesetzt, arbeitet das Werkzeug generativ, inklusive Motiverkennung.
Damit bist du im selben Bereich wie bei Firefly und musst prüfen, ob dein Ergebnis kennzeichnungspflichtig ist.
Nimmst du den Haken heraus, bleiben Kopieren und Reparieren übrig. Diese beiden führt Adobe derzeit nicht unter generativer KI, auch wenn im Hintergrund ebenfalls KI arbeitet. Wer auf der vorsichtigen Seite bleiben will, lässt die Checkbox aus.
Eine einzige Checkbox entscheidet, ob du dir über die Kennzeichnung Gedanken machen musst.
Erweitern beim Zuschneiden
Wenn du beim Zuschneiden über den Bildrand hinausgehst und Lightroom den fehlenden Hintergrund ansetzen lässt, ist das derselbe Mechanismus wie das generative Erweitern in Photoshop.
Der Prozess verbraucht aktuell keine Credits. Das ist bequem, verleitet aber dazu, ihn für harmlos zu halten. Er bedient sich generativer KI, und die Prüfpflicht bleibt dieselbe wie bei den anderen beiden Funktionen.
Plugins von Drittanbietern zählen mit
Topaz und vergleichbare Werkzeuge arbeiten beim Entrauschen und Nachschärfen ebenfalls mit KI, teilweise mit generativer.
Dass diese Programme außerhalb des Adobe-Kosmos liegen, befreit dich von nichts. Für dein fertiges Bild zählt, was tatsächlich passiert ist – nicht, in welcher Software es passiert ist.
Das heißt: Bei jedem Plugin, das du einsetzt, musst du in der Dokumentation des Anbieters nachlesen, was im Hintergrund läuft. Das ist lästig, aber es ist einmalige Arbeit pro Werkzeug, nicht pro Bild.
Was Adobe derzeit nicht als generative KI führt
Diese Funktionen stehen aktuell nicht in Adobes Dokumentation zur generativen KI in Lightroom: KI-Entrauschen, Verbessern und Superauflösung. Der Weichzeichner, also Lens Blur. Die KI-Maskierung. Adaptive Presets. Objektiv- und Profilkorrektur. Staubfleckenentfernung. Spiegelungsentfernung.
Dazu kommen Kopieren und Reparieren im Entfernen-Werkzeug, solange der Haken für generative KI nicht gesetzt ist.
Diese Liste ist eine Momentaufnahme. Sie beschreibt den Stand heute, nicht den Stand in sechs Monaten.
Der Menübefehl bleibt gleich, der Motor darunter nicht
Das ist der Punkt, der mir am meisten Sorge bereitet. Ein Menübefehl heißt heute Gradationskurve und in der nächsten Version immer noch Gradationskurve – aber dahinter kann inzwischen ein anderer Algorithmus arbeiten.
Adobe entwickelt weiter, und die Dokumentation wächst mit. Funktionen, die heute nicht als generative KI gelistet sind, können es mit einem der nächsten Updates werden, ohne dass sich an der Oberfläche etwas ändert.
Für dich heißt das: Die Einordnung ist keine einmalige Aufgabe. Sie gehört zu den Dingen, die du nach größeren Updates noch einmal nachschaust.
Der Name im Menü verrät dir nicht, was darunter rechnet.
Warum Lightroom einfacher ist als Photoshop
Der Vergleich zeigt es deutlich: In Photoshop ist die Funktionsvielfalt größer, und entsprechend mehr Stellen kommen als generative KI infrage.
Lightroom konzentriert sich auf wenige Punkte. Das macht die Einordnung überschaubar – wer Firefly, die Checkbox im Entfernen-Werkzeug und das Erweitern beim Zuschneiden im Blick hat, hat den größten Teil abgedeckt.
Ob man den vollen Funktionsumfang von Photoshop überhaupt braucht, ist noch einmal eine andere Frage.
Was du jetzt tun kannst
Schau bei jedem Bild, das du veröffentlichst, ob eine der drei Lightroom-Funktionen im Spiel war. Bei zweien davon genügt ein Blick auf die Einstellung, bei Firefly weißt du es ohnehin.
Prüf deine Plugins einmal gründlich, statt bei jedem Bild neu zu raten. Schreib dir auf, welches Werkzeug wo generative KI einsetzt.
Und behalte Adobes Dokumentation im Blick, wenn ein größeres Update kommt. Was heute nicht gelistet ist, kann morgen gelistet sein.