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RETUSCHE8 Minuten Lesezeit

Fliegende Haare korrigieren, ohne dass es ausgeschnitten wirkt

Wind im Shooting, und plötzlich stehen überall kleine Härchen ab. Die meisten stempeln dann Strähne für Strähne weg – und genau das ist der mühsame Weg. Ich zeige dir meine Methode, die ich seit Jahren benutze.

Rick MaschkeRick MaschkeFotograf und Trainer
  • Praxisnah erklärtKeine Theorie ohne Bild
  • Mit BeispielbildernSchritt für Schritt
  • Kostenlose ÜbungsdateiZum Mitmachen
  • Einsteiger und FortgeschritteneDirekt anwendbar

Der Kern in einem Satz: Erst lässt du alles verschwinden, dann holst du gezielt zurück, was bleiben soll. Diese Reihenfolge gibt dir die Kontrolle – und sie ist der ganze Unterschied.

Der Denkfehler, der die Arbeit mühsam macht

Die meisten gehen so vor: Kopierstempel raus und dann jede einzelne Strähne wegretuschieren. Das funktioniert – aber es dauert ewig, und das Ergebnis wird schnell fleckig.

Drehen wir es um. Statt einzelne Haare zu entfernen, lösche ich erst einmal alles. Danach entscheide ich in Ruhe, was zurückkommt.

Das klingt nach mehr Arbeit. Es ist deutlich weniger.

Nicht Strähne für Strähne wegnehmen – erst alles überdecken, dann gezielt zurückholen.

Schritt 1: Den Hintergrund komplett darüberlegen

Leg dir eine neue, leere Ebene an. Nimm den Kopierstempel, Deckkraft 100 Prozent, Modus Normal, und stell die Quelle so ein, dass er von den darunterliegenden Ebenen aufnimmt.

Jetzt nimmst du deine Quelle nah am Bereich auf, den du bearbeiten willst, und gehst großzügig darüber. Wichtig: Du übermalst dabei bewusst auch den Bereich, den du eigentlich behalten willst.

Das fühlt sich im ersten Moment falsch an. Am Ende dieses Schrittes sieht das Bild aus, als hätte es nie Haare gehabt – und genau so soll es sein.

Achte beim Stempeln nur auf eines: Der Hintergrund muss stimmig weiterlaufen. Keine sichtbaren Brüche, keine Wiederholungen, keine Flecken.

Schritt 2: Alles wieder ausblenden

Jetzt legst du auf diese Ebene eine schwarze Ebenenmaske – mit gedrückter Alt-Taste auf das Masken-Symbol klicken.

Damit ist deine gesamte Arbeit unsichtbar. Das Bild sieht wieder aus wie vorher, mit allen fliegenden Haaren.

Der Unterschied: Du hast jetzt einen sauberen Hintergrund in der Hinterhand, den du an jeder beliebigen Stelle hervorholen kannst.

Schritt 3: Gezielt zurückholen

Nimm den Pinsel, weiße Vordergrundfarbe, 100 Prozent Deckkraft, die Spitze etwas weicher und in der Größe an die Form angepasst.

Jetzt malst du genau dort, wo Härchen verschwinden sollen. Der saubere Hintergrund kommt hervor, das Haar verschwindet.

Dabei kannst du sogar Formen begradigen oder Konturen etwas schärfer ziehen – du fährst einfach an der Silhouette entlang.

Hier liegt der eigentliche Gewinn: Du arbeitest mit weichen Übergängen und kannst jeden Schritt zurücknehmen, indem du mit Schwarz darübergehst.

Mit der Maske hast du viel mehr Kontrolle als mit dem Stempel – weil nichts endgültig ist.

Wie viel darf weg? Die eigentliche Entscheidung

Das ist keine technische, sondern eine gestalterische Frage.

Nimmst du wirklich jedes Härchen heraus, sieht der Kopf irgendwann aus wie ausgeschnitten. Das ist das große Problem bei dieser Arbeit.

Ich lasse deshalb bewusst einzelne fliegende Härchen stehen. Große Strähnen dürfen bleiben, kleine Fitzel kommen weg.

Und eine Regel, die du dir merken solltest: Unterbrich niemals eine Strähne mittendrin. Entweder du führst sie sauber weiter, oder du nimmst sie ganz heraus. Ein Haar, das im Nichts endet, fällt sofort auf.

Bei einer Frisurkampagne gehst du anders heran – da muss alles sitzen. Bei einem normalen Porträt darf Natürlichkeit bleiben.

Ein Haar, das mittendrin aufhört, fällt mehr auf als das Haar selbst.

Der Zwischenweg: verblassen statt löschen

Manchmal willst du ein Haar nicht ganz entfernen, sondern nur beruhigen.

Dann geh mit dem Pinsel bei geringerer Deckkraft darüber. Das Haar tritt in den Hintergrund, ist aber noch angedeutet.

Das ist oft die ehrlichere Lösung als ein hartes Entweder-oder – und sie hält das Bild lebendig.

Haare nicht entfernen, sondern anlegen

Manchmal soll eine Strähne gar nicht weg, sondern woanders hin. Mit dem Kopierstempel wird das schnell zu komplex.

Dafür nutze ich Verflüssigen. Zuerst führe ich meine bisherige Arbeit auf eine neue Ebene zusammen und wandle sie in ein Smartobjekt um – so bleibt der Schritt jederzeit änderbar.

Im Verflüssigen-Dialog nehme ich das Vorwärts-Verkrümmen-Werkzeug und drücke die Haare dorthin, wo ich sie haben will.

Und dann genau dasselbe Prinzip wie vorher: schwarze Maske drauf, alles ausblenden, und mit weißem Pinsel nur die neue Position der Strähne einzeichnen.

Die Nacharbeit nicht vergessen

Wenn du eine Strähne verschoben hast, bleibt an ihrer alten Position häufig eine Spur im Hintergrund.

Also noch einmal eine neue Ebene, Kopierstempel, und den Hintergrund sauber schließen. Wo es zu hart wirkt, hilft ein zweiter Durchgang mit geringerer Deckkraft.

Das sind zwei Minuten – aber ohne sie sieht man die Arbeit.

Warum das im Kern eine einzige Methode ist

Es wirkt wie zwei Techniken: einmal entfernen, einmal anlegen. In Wirklichkeit ist es dieselbe Vorgehensweise.

Erst komplett verfremden. Dann alles ausblenden. Dann detailliert zurückholen.

Ob du dabei den Hintergrund darüberlegst oder eine Strähne mit Verflüssigen verschiebst, spielt keine Rolle. Das Prinzip bleibt: Du entscheidest nicht beim Machen, sondern beim Zurückholen.

Ich arbeite seit Jahren so und bin damit sehr zufrieden. Der Aufwand ist überschaubar, das Ergebnis kontrollierbar.

Erst komplett verfremden, dann alles ausblenden, dann detailliert zurückholen.

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